Die Schaukel und warum sie auf einen guten Spielplatz gehört

Hoch, höher, am höchsten: Laut juchzend fliegen die Kinder durch die Luft. Bei schönem Wetter kommt die Schaukel auf dem Spielplatz kaum zum Stehen. Alle wollen sich über die Köpfe der Spielenden schwingen und die Welt von oben betrachten. Schaukeln ist ein wahres Spielvergnügen und fördert die Entwicklung der Kleinen.

Welche Schaukelarten gibt es auf dem Spielplatz?

Schaukeln gab es schon bei den alten Griechen. Diese feierten zur Zeit der Weinernte ihr Schaukelfest Aiora. Junge Mädchen wurden auf in Bäumen hängende Schaukeln gesetzt und liessen sich hin- und herschwingen. Dazu sang man Lieder zu Ehren der Göttin Erigone und ihres Vaters Ikarios. 

Heute findet man auf dem Spielplatz viele Schaukelvarianten. Die bekannteste und älteste ist sicher die Brettschaukel, die an zwei Seilen aufgehängt wird und bei der das Kind auf einem Brett aus Holz oder Kunststoff sitzt. Bei der Trapezschaukel besteht die Sitzfläche aus einer Stange. Die Tellerschaukel hat dagegen eine runde Scheibe, die nur an einem Seil angemacht ist. Auf Spielarealen taucht immer häufiger auch die Nest- oder Vogelschaukel auf (siehe Bild unten). Hier haben mehrere Jungen und Mädchen Platz und die Kleineren können darin sanft gewiegt werden, wenn das Netz nicht zu grobmaschig ist. Sonst besteht die Gefahr, dass sie durchrutschen. Für Kleinkinder gibt es extra Baby- oder Gitterschaukeln, aus denen sie nicht herausfallen können. Auf der Partnerschaukel sitzen mehrere Kinder nebeneinander und auf der Gondelschaukel sitzen sie sich zu zweit oder zu viert gegenüber. Selten finden sich Schaukeln für Rollstuhlfahrer auf Spielplätzen.

Ab wann darf das Kind auf die Schaukel?

Kleinkinder dürfen schaukeln, sobald sie sitzen können. Sie geniessen es, wenn wir sie in eine Gitterschaukel setzen und ihnen Schwung geben. „Mehr, mehr!“, rufen sie und das Gejammer ist gross, wenn die Eltern dem Vergnügen ein Ende bereiten. Manche Babys empfinden die gleichmässige Bewegung als so beruhigend, dass sie dabei einschlafen. Das Hin- und Herwippen erinnert sie an ihre Zeit in der Gebärmutter, als Mamis Umhergehen sie in den Schlaf wiegte. Mit etwa 18 Monaten gelingt es den Kleinen, sich auf einer Brettschaukel alleine festzuhalten, auch wenn diese in Bewegung ist. Idealerweise setzt man die Kleinkinder auf ihren Oberschenkeln ab und nicht auf dem Hintern. So liegt ihr Schwerpunkt in der Mitte und sie können das Gleichgewicht am besten halten. Die Eltern sollten dabei bleiben, denn die Kleinen lassen manchmal los, wenn sie keine Lust mehr haben.

Schaukeln will gelernt sein

Irgendwann ist den Kindern das Anschubsen nicht mehr genug. Sie wollen selber schaukeln können. Die ersten Versuche beginnen oft schon früh. Der Erfolg lässt jedoch auf sich warten. Erst mit fünf oder sechs Jahren schaffen es die Sprösslinge, selbst Schwung zu holen. Am besten macht man es den Kleinen einmal vor oder überlässt einem älteren Geschwister diesen Part. Dann können die Eltern das Kind leicht anschieben und es versucht, mit Oberkörper und Beinen mitzugehen und mehr Bewegung zu bekommen. Anfeuern hilft: „Beine hoch, runter, hoch, runter.“ Natürlich gelingt dies nicht gleich beim ersten Mal. Der Nachkomme muss erst lernen, die Körperhaltung an die Schwingung der Schaukel anzupassen. Doch es gilt: Übung macht den Meister. Das Gefühl für die richtige Bewegung hat sich noch bei jedem gesunden Kind eingestellt. Und wenn ihm Schaukeln im Sitzen zu langweilig wird, probiert es dies sicher bald im Stehen.

Die Bedeutung der Schaukel für die Entwicklung des Kindes

Ein Kind, das schaukelt, hat Bewegung und eine Menge Spass. Es trainiert seinen Gleichgewichtssinn, indem es versucht, die Balance zu halten. Zudem braucht es Koordination und eine gute Körperbeherrschung, damit es sich in die Lüfte schwingen kann. Schaukeln stärkt die Muskeln und fördert die Motorik. Wenn die Schaukelbewegung gelingt und der Himmel immer näher kommt, erfährt der Sprössling ein Erfolgserlebnis. Er konnte sich selbst etwas beweisen, fühlt sich selbstständig und einfach grossartig. Das Selbstwertgefühl steigert sich. Der Knabe oder das Mädchen wird weitermachen und ausprobieren, was alles geht. Die Schaukel auf dem Spielplatz ist aber auch das Gerät für eine Auszeit, denn meist bewegt man sich darauf alleine. Das Kind kann entspannen, sich beruhigen und seinen Gedanken nachhängen oder die anderen beobachten. Es gibt Studien, die nachweisen, dass die Schaukelbewegung zu Ausgeglichenheit, Wohlbefinden und weniger Depressionen führt.

Trotzdem bietet die Schaukel auch einen sozialen Aspekt, denn auf dem Spielplatz ist man selten allein. Die Kleinen müssen sich absprechen, wer, wann, wie lange auf das Gerät darf. Sie lernen, ein anderes Kind anzusprechen, zu fragen und sich abzuwechseln. Zudem hängen oft zwei oder mehrere Schwingen nebeneinander und es kann um die Wette geschaukelt werden. Bei der Gondelschaukel ist es sogar unumgänglich, dass die Kinder ihre Bewegungen koordinieren. Und wer kennt nicht aus der eigenen Kindheit das Spiel „Schaukelabspringen“, bei dem man vom schwingenden Gerät herunterspringt? Ziel ist es natürlich, möglichst weit zu kommen. Hier lernen die Kleinen, Regeln aufzustellen und ihre Grenzen auszutesten, auch wenn die meisten einmal eine Bauchlandung hinlegen.