Barrierefreie Spielplätze

ALLE Kinder lieben Spielplätze und ALLE wollen spielen: die Grossen und die Kleinen, Mädchen und Jungen, blinde, gehörlose, geistig behinderte und solche mit Bewegungsstörungen. Deswegen sollte ein Spielareal so gestaltet sein, dass sich jedes Kind austoben und seinen Spass haben kann. Doch wie können wir uns einen barrierefreien Spielplatz vorstellen und wie sieht es damit in der Schweiz aus?

Was ist Barrierefreiheit?

Barrierefrei bedeutet, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen bestimmte Angebote, Anlagen und Einrichtungen nutzen können. Dabei sollen sie nicht auf zusätzliche Hilfen angewiesen sein. In der Schweiz gilt das Behindertengleichstellungsgesetz von 2004, welches besagt, dass es keine Benachteiligungen von Personen mit Behinderungen mehr geben sollte. Im weiteren Sinne bezieht sich die Barrierefreiheit nicht nur auf behinderte Menschen, sondern auch auf ältere Personen und solche mit Kleinkindern und Kinderwagen. Bei barrierefreien Bauten sollen deshalb so weit wie möglich die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden. Dies gilt auch für Spielplätze. In der Praxis ergeben sich jedoch Probleme. Einerseits gibt es die unterschiedlichsten Behinderungen, die beachtet werden müssen. Andererseits entstehen in der Natur selbst Barrieren, die Menschen mit Beeinträchtigungen kaum überwinden können. Deswegen ist die Barrierefreiheit nur ein Ideal, an das man sich zum Beispiel bei der Planung eines Spielplatzes so gut wie möglich annähern sollte. 

Wie sieht ein barrierefreier Spielplatz aus?

Wie haben wir uns nun einen hindernisfreien Spielplatz vorzustellen? Ein solches Areal zu bauen und zu gestalten ist eine grosse Herausforderung. Natürlich muss dieses für alle erreichbar und zugänglich sein. Der schönste Platz nützt Kindern im Rollstuhl und Müttern mit Kinderwagen nichts, wenn er nur über eine Treppe oder holprige Wege erreichbar ist. Kinder mit einer Sehbeeinträchtigung müssen sich orientieren, gefahrlos bewegen und geeignete Spielgeräte erreichen können. Ihr Weg muss ertastbar sein. Rollstuhlkinder brauchen breite und ebene Fahrwege. Die Sicherheitsbedürfnisse sämtlicher Kinder müssen berücksichtigt werden. Der Zugang zu den Spielgeräten soll einfach und übersichtlich sein. Zudem braucht es besonders hohe Sicherheitsvorkehrungen, denn bei einigen der Kleinen funktioniert die Realitätseinschätzung vielleicht nicht richtig und sie erkennen Gefahren nicht. Die Spielplätze sollen von Eltern und Kindern als „normale“ Spielareale wahrgenommen werden, damit sich dort alle wohlfühlen und diese gerne nutzen. Eine allgemein zugängliche Infrastruktur ist erforderlich. 

Barrierefreie Spielmöglichkeiten und Spielgeräte

Barrierefreie Spielplätze müssen vielfältige Möglichkeiten bieten. Einerseits soll jedes Kind verschiedene Herausforderungen entdecken und andererseits muss auf unterschiedliche Bedürfnisse eingegangen werden. Sensorische Erlebnisse sind durch Materialien wie Sand, Wasser, Erde, Steine, Holz und durch spezielle Labyrinthe möglich. Die Kinder können Wärme, Kälte, Licht, Schatten und Wind auf ihrer Haut spüren. Es gibt Klangsteine zum Hören, Gewürzpflanzen zum Riechen und essbare Früchte zum Schmecken. Wichtig ist, dass diese Spiele für die Kinder selbst erreichbar und bedienbar sind. Sandkästen bieten am besten Sitz- oder Liegeflächen, sodass Kinder mit Rollstühlen die Möglichkeit haben, aus diesen auszusteigen. Wir finden Rutschbahnen mit unterschiedlichen Höhen und Neigungen und solche, mit seitlichen Ein- und Aussteigemöglichkeiten und zusätzlichen Griffen für Rollstuhlfahrer. Auch Schaukeln und Karussells für Kinder im Rollstuhl gehören auf einen barrierefreien Spielplatz. Zudem fördern Kletter- und Balanciergeräte die Beweglichkeit und das Gleichgewicht. Ideal ist auch ein Bewegungsspielbereich, wo die Kleinen Hüpfen, Rennen, Fangen und Ballspielen können. Jedes Kind wählt sich den Bereich, der ihm entspricht.

Barrierefreie Spielplätze in der Schweiz

Im Juni 2018 wurde gemäss der Stiftung „Denk an mich“ der 43. „Spielplatz für alle“ in Nunningen eröffnet. Von dieser Stiftung stammt das Projekt „Spielplätze für alle“ in der Schweiz. Sie wird vom Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, der Beratungsstelle für Unfallverhütung und der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen unterstützt. Ihr Ziel ist es, Barrieren von Anfang an zu verhindern und die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen zu fördern. In der Stadt Zürich entstand der erste hindernisfreie Spielplatz im September 2017, in Basel im Mai 2018. Den allerersten Platz dieser Art liess die Stiftung in Unterwasser im Toggenburg bauen. Er wurde 2011 fertiggestellt und eingeweiht. Seitdem entstanden viele weitere Spielplätze. Diese finden sich über die ganze Schweiz verteilt unter anderem in Lausanne, Lugano, Nottwil, Sempach, Zug, Zurzach oder Goldach.  In Luzern wurde beispielsweise 2014 ein Rollstuhl-Park eröffnet. Der Rodter Park entstand durch die Initiative der Stiftungen Rodtegg und wurde von Spendengeldern finanziert. Er ist öffentlich zugänglich. Barrierefreie Spielplätze sind in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ neu.